Der Langbogen geht durch die Jahrhunderte

Wer heute an einen Langbogen denkt, ist oft durch Film und Fernsehen beeinflusst und denkt fast automatisch an Robin Hood mit seinem „Englischem Langbogen“. Doch Tatsache ist, der Englische Langbogen ist wohl der berühmteste Vertreter seiner Art, aber ganz sicher nicht der Erste. Die Geschichte von Pfeil und Bogen fängt eigentlich sehr, sehr viel früher an. Die ersten archäologischen Pfunde, die als Pfeilspitzen interpretiert werden, stammen aus Afrika und sind über 60000 Jahre alt. Der älteste Langbogen wurden bei Hamburg gefunden und auf circa 30000 Jahre geschätzt. Ein weiterer sehr früher Verwandter des Englischen Langbogens ist etwa 6600 Jahre alt und trägt den Namen „Holmegaard“. Dabei handelt es sich eigentlich um einen Flachbogen, der jedoch ziemlich sicher ein Vorläufer des späteren Langbogens darstellt. Was ist den eigentlich am Anfang so ein Bogen gewesen? Ein langer Stock, der mit einer Tiersehne gespannt wurde.

Wenn ein Bogen eine Reise tut…

Der Englische Langbogen wurde wohl als Urtyp von den Wikinger nach Großbritannien mitgebracht. Diese überfielen damals die Waliser, und die Waliser eigneten sich die Wikingerbögen als Beutewaffen an. In späteren Konflikten zwischen den Waliser und den Engländern, erkannten die Engländer den Wert dieser Waffe und übernahmen sie ebenfalls. Und damit begann der grandiose Siegeszug des „Englischen Langbogens“. Seinen Höhepunkt erreichte diese Waffe wohl während des „Hundertjährigen Krieges“ und dann später nochmals während der „Rosenkriege„. Zu dieser Zeit hatte der Englische Langbogen schon beeindruckende Leistungen während den Schlachten geliefert und wurde fast schon verehrt. Ein ganzes System von der Beschaffung der Rohstoffe, über die Produktion von Pfeil und Bögen, bis zur Rekrutierung und Ausbildung von geeigneten Schützen für das Militär würde geschaffen und durch Gesetze untermauert. Jeder im Land, der ein gewisses Mindesteinkommen hatte, wurde verpflichtet sich einen Bogen zu kaufen und sich mindestens drei Stunden im Monat im Schiessen zu üben. Ein Gesetz was es übrigens heute noch gibt, als Erinnerung an diese alte Tradition und den Stolz auf diese Waffe. Etwas ähnliches finden wir in Japan, wo bis zum heutigen Tage des Schwert der Samurai, das Katana, verehrt wird.

Legendäre Leistung

Aber was macht diesen Bogen denn nun eigentlich so besonders? Das ist meiner Meinung nach einfach zu beantworten: Leistung. Diese Bögen wurden aus Eibe geschnitzt, was ein wirklich sehr gutes Material für den Bogenbau darstellt. Zudem wurden sie oft mit Zugstärken jenseits der 100 Pfund hergestellt, was natürlich für eine enorme Reichweite und Druchschlagskraft sorgte. Wenn man das noch mit einer guten und disziplinierten Schlachtformation kombiniert, wo hunderte oder gar tausende Schützen synchron Salve um Salve auf den Gegner feuern, dann erhält man sowas wie eine mittelalterliche Massenvernichtungswaffe. Das ist meiner Meinung nach schon alles, eine gute Waffentechnologie, die passende Strategie und deren erfolgreicher Einsatz in großen Konflikten der europäischen Geschichte, und die Legende war geboren.

Langbogen: Die Geschichte geht weiter

Heutzutage gibt es Nachempfindungen dieser Bögen bei einigen Bogenbauern weltweit zu kaufen. Doch ich denke sie sind nutzlos. Was will ich mit einem Bogen anfangen, der 100 oder 120 Pfund Zugkraft hat? Gezielt schiessen mal ganz sicher nicht. Ich verwende Holzbögen mit 45 Pfund Zugkraft und damit habe ich aktuell die Grenze erreicht, was ich bequem ausziehen und womit ich zielen kann. Hundert oder mehr Pfund würden wahrscheinlich bloss zu einer Verletzung führen. Dennoch haben Langbögen ihren ganz eigenen Charme und so ist es gut, dass es natürlich auch moderne Formen davon gibt. Genauso wie die Recurve-Bögen, werden sie heute aus einem Holzmix und mit Glas belegt hergestellt. Die Zugkraft ist oft sogar besonders für Kinder oder Anfänger geeignet, denn sie sind meisten auch mit wenigen Pfund verfügbar. In meiner Sektion zu Langbögen, werde ich euch meine getesteten Modelle vorstellen und wie immer meine ehrliche Meinung dazu sagen. Also schaut euch doch einfach mal um und vielleicht findest du ja ein neues „Schmuckstück“ für dich.