Der Recurve-Bogen: High Tech aus der Steinzeit

Der Bogen ist, neben dem Speer, die älteste Langstreckenwaffe der Welt. Seine Erfindung geht bis in die Jungsteinzeit zurück. Genutzt wurde er sowohl als Jagd- wie auch als Kriegswaffe. Seine Geschichte ist eine Geschichte der stetigen Weiterentwicklung und Innovation. Dementsprechend kennen wir heute eine Vielzahl von verschiedenen Bogentypen. Nachfolgend soll insbesondere die Geschichte und der Aufbau des Recurve-Bogens vorgestellt werden soll.

Geschichte des Recurve-Bogens

Der Recurve Bogen ist keine Innovation der Neuzeit. Bereits bei der spätneolithischen Walternienburg-Bernburger Kultur (ca. 3200-2800 v. Chr.) finden sich Abbildungen des Recurve Bogens. In der spanischen Levante finden sich ca. 2600 Jahre alte Höhlenzeichnungen, die Jäger oder Krieger mit Recurve Bogen zeigen. Seinen Weg nach Nord- und Mitteleuropa fand dieser Bogen einige Jahrhunderte später in der Megalithkultur. Seine Handhabung ist auch aus Ländern des nahen Ostens belegt, wo er als Herrschaftssymbol der akkadischen Könige galt. Dieser Umstand unterstreicht seinen enormen Stellenwert als schlagkräftigste Jagd- und Kriegswaffe in der Zeit um ca. 2000 v. Chr. in den verschiedenen Teilen der Welt. Bis heute findet der Recurve-Bogen Anwendung, hauptsächlich im Bogen-Sport.

Aufbau des Recurvebogens

Seinen enormen Stellenwert in der Antike verdankte der Recurve-Bogen seinem neuartigen Aufbau und der daraus resultierenden größeren Durchschlagskraft. Denn anders als der Langbogen, als dessen Weiterentwicklung er gilt, besitzt der Recurve-Bogen eine zusätzlich nach vorne zeigende Biegung. Diese Biegung bewirkt eine höhere gespeicherte Energie und letzlich eine höhere kinetische Energie beim Abschuss, bei gleichbleibender Zugkraft. Das Ergebnis ist eine deutlich gesteigerte Durchschlagskraft im Vergleich zu normalen Lang- oder Flachbögen. Da die Sehne, anders als beim Langbogen, auf den Wurfarmenden liegt, absorbiert dieser Bogen beim Abschuss bereits einen Teil der Schwingung und verbessert so die Treffgenauigkeit. Durch die anliegende Sehne wird außerdem die Handlichkeit und der Rückschlag gedämpft, was zu einer erhöhten Stabilität und einem ruhigeren Ziel- und Schussverhalten führt.

Der moderne Recurve Bogen

Moderne Recurve Bögen vereinen heute Handlichkeit mit Stabilität und hoher Durchschlagskraft. Unterschieden wird dabei zwischen einteiligen und dreiteiligen Bögen. Die einteiligen Modelle sind meist traditionell noch aus Holz gefertigt, während dreiteilige Bögen aus den unterschiedlichsten Materialien gefertigt werden, wie z. B. Fiberglas, Carbon oder Aluminium. Diese dreiteiligen Bögen, die sogenannten Take-Down Bögen, besitzen den unschätzbaren Vorteil, das sie individuell den Gegebenheiten des Schützen angepasst werden können. Man kann sie in einem Stecksystem in drei Teile zerlegen, dem Griffstück und den beiden Wurfarmen. So kann je nach Vorliebe Länge und Material kombiniert werden, bis der Schütze seinen ganz persönlichen Bogen zusammengestellt hat.